Klima is(s)t Trumpf

Nach Berechnungen des Weltklimarats gehen 20% – 30% des individuellen CO2eq-Fußabdrucks auf unsere Lebensmittel zurück. Doch neben dem Ausstoß klimaschädlicher Gase beeinflussen unsere Essgewohnheiten auch durch einen hohen Wasserverbrauch oder lange Transportwege die Umwelt.

Im Rahmen von Untersuchungen zu individuellem Verhalten in einer klimabewussten Gesellschaft entwickelten Teilnehmer der VI. Global Young Faculty dieses Kartenspiel, um die gesammelten Erkenntnisse zu kommunizieren und zu informieren. KlimaIs(s)tTrumpf soll dich bei deinem Monatseinkauf unterstützen, um klimaverträgliche und umweltbewusste Konsumentscheidungen zu treffen.

Hier findest du alle wichtigen Informationen zu den Produkten im Spiel und wie die Zahlenwerte der einzelnen Kategorien ermittelt wurden, auf welche Studien wir zurückgegriffen haben und was es dabei zu beachten gibt.

Wenn du unser Spiel KlimaIs(s)tTrumpf noch nicht hast, kannst du es hier zum selber basteln herunterladen.

Die ausgewählten Produkte

ProduktWasserverbrauch [l/kg]Transportstrecke [km]CO2eq-Ausstoß [kg/kg]Verbraucherkosten [€/kg]
Ananas (frisch)25577220.92.1
Apfel (frisch)82221010.33
Apfelsaft11002540.41.7
Avocado198168070.68
Bier3001310.92.4
Butter555362799.4
Eier3265735
Gurke3538640.43.5
Hähnchenfleisch43251275.510.8
Kaffee1892588475.612.8
Kakaopulver15636529954.4
Karotte1956820.11.5
Kartoffeln287240.20.8
Kartoffelpüreepulver10446160.93.9
Käse50601785.77.4
Kuhmilch10202641.41.4
Linsen587437021.24
Nudeln18499200.73.4
Olivenöl1443113843.28.4
Orange56020340.33
Orangensaft101877580.72
Rapsöl43014533.34.7
Reis223044403.14
Rindfleisch1541549513.612.9
Schokolade1719658514.110.7
Schweinefleisch5988594.67.3
Sojamilch376369090.41.65
Tomate2145530.83.7
Tomatenmark8557844.34.2
Trauben60833620.47.3
Walnüsse491848190.94
Wein87099718

Regionale und Saisonale Produkte

Der Transport von Lebensmitteln kann eine wesentliche Rolle bei dessen Treibhausgasfußabdruck spielen. So ist der Treibhausgasfußabdruck z.B. bei einem Apfel, der aus Neuseeland (ca. 0,8 kg CO2eq/kg) per Schiff nach Deutschland transportiert wird etwa doppelt so hoch wie bei einem Apfel aus der Region (ca. 0,3 kg CO2eq/kg). Bei einem Transport per Flugzeug wäre der Wert noch höher.

Allerdings spielt neben der Transportstrecke auch die Saisonalität und die dadurch verbundene Lagerung eine wichtige Rolle. Wenn ein regional geernteter Apfel ein halbes Jahr im Kühllager liegt, ist der Treibhausgasfußabdruck mitunter vergleichbar mit einem saisonal geernteten Apfel aus Neuseeland.

Der Import aus dem Ausland kann auch dann sinnvoller sein, wenn die Anbaubedingungen im Ausland für ein Lebensmittel deutlich günstiger sind und ein regionaler Anbau nur mit hohem Aufwand, etwa durch Treibhäuser, möglich wäre. Dies würde dazu führen, dass der Treibhausgasfußabdruck für das aus dem Ausland importierte Lebensmittel besser wäre.

Da bei Obst und Gemüse der Treibhausgasfußabdruck jedoch allgemein deutlich niedriger als bei tierischen Produkten ist, spielt je nach Einkauf auch das gewählte eigene Transportmittel (Auto, Fahrrad oder zu Fuß) mit den damit verbundenen Emissionen eine wesentliche Rolle.

Insgesamt lässt sich sagen, dass eine Kombination aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln zu einer Reduktion des Treibhausgasfußabdrucks führt. Diese Kombination kann auch einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, da der Vitamingehalt in frischen Lebensmitteln höher ist.

Einen Überblick, wann welches Produkt in Deutschland frisch und regional verfügbar ist, gibt dir der Saisonkalender für Obst und Gemüse.

Quellen:

bio-/ökologische vs. konventionelle Landwirtschaft

Zur bio- oder ökologischen Landwirtschaft gehört u.a. der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Dies kann sich positiv auf das Grund- und Oberflächenwasser auswirken, da weniger Nitrat und Pflanzenschutzmittel in den Boden eingetragen werden, was wiederum auch zu einer verbesserten Bodenfruchtbarkeit führen und sich positiv auf die Biodiversität auswirken kann. Hinzu kommt, dass die Böden bei bio- oder ökologischer Landwirtschaft mehr Kohlenstoff speichern und somit binden können.

Umstritten ist allerdings der Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel in der bio- oder ökologischen Landwirtschaft. Aufgrund des Verzichts von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln wird in manchen Teilen, wie z.B. dem Weinanbau häufig auf Kupfer als Pflanzenschutzmittel gesetzt. Während chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel meist gezielt bestimmte Schädlinge bekämpfen, wirkt z.B. Kupfer breiter.

Die Klimaauswirkungen von bio- oder ökologischer und konventioneller Landwirtschaft sind laut verschiedener Studien vergleichbar. Laut Umweltbundesamt war der Landwirtschaftssektor in 2018 für ca. 7,5% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Vor allem der Anteil der Landwirtschaft bei Methan- (ca. 60%) und Lachgasemissionen (ca. 80%) ist relativ hoch, während der Anteil an CO2 Emissionen vernachlässigbar ist (0,4%). Methan (25-fach) und Lachgas (298-fach) haben eine deutlich höhere Klimawirksamkeit als CO2. Lachgasemissionen entstehen vor allem durch die Düngung der Felder mit Mineraldünger. Da der Mineraldüngereinsatz in der bio- oder ökologischen Landwirtschaft beschränkt ist, sind die Lachgasemissionen hier rund 24% niedriger. In Kombination mit der höheren Kohlenstoffspeicherungsrate wirkt dies positiv auf die Klimaschutzleistung pro Hektar aus. Auf der anderen Seite liefert die bio- oder ökologische Landwirtschaft einen niedrigeren Ertrag pro Fläche, da z.B. die Zahl an Tieren pro Hektar niedriger ist als bei der konventionellen Landwirtschaft. Daraus folgt ein höherer Wert an Treibhausgasen pro Ertrag.

Zum Unterschied beim Tierwohls gibt es bisher nur wenige Studien, die sich zumeist auf Milchkühe beziehen. Bei 34% der Vergleichspaare konnten bessere Tiergesundheitswerte festgestellt werden, bei 46% konnte kein Unterschied nachgewiesen werden.

Quellen:

Verarbeitete vs. unverarbeitete Lebensmittel

Im heutigen (teilweise sehr stressigen) Alltag scheinen Lebensmittel mit einer hohen Verarbeitungstiefe eine bequeme Möglichkeit zur täglichen Ernährung zu sein. Dass sich die Verarbeitung oftmals auch negativ auf den Nährstoffgehalt auswirkt, ist vielfach schon bekannt und im Bewusstsein der Verbraucher verankert.

Allerdings hat die Verarbeitungstiefe von Lebensmitteln nicht nur direkte Auswirkungen auf unsere Gesundheit, sondern auch auf die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen. Insbesondere Produkte, die einem Trocknungsprozess unterliegen, erzeugen ein Vielfaches an Emissionen verglichen mit dem Verzehr im unverarbeiteten Zustand. Die Verarbeitung von Äpfeln zu getrockneten Apfelringen erhöht die emittierten Treibhausgase beispielsweise um mehr als das 7-fache (0,3 kg CO2eq/kg Äpfel; 2,339 kg CO2eq/kg Apfelringe) – die Werte basieren auf zwei unterschiedlichen Studien und sind somit qualitativ zu bewerten.

Auch die Verarbeitung von frischen Lebensmitteln zu tiefgekühlten Produkten wirkt sich aufgrund der Aufrechterhaltung der Kühlkette während des Transports und der Lagerung auf die Emission von Treibhausgasen aus. Hier existiert jedoch eine wesentliche Schnittstelle zur Fragestellung regional vs. saisonal: Bezogen auf die Funktionseinheit frischer Broccoli (1,0 kg) aus dem Inland (hier: Schweden) mit einem kg-CO2eq von 1,0 liegt Broccoli, welcher im Inland zu einem Tiefkühlprodukt (Funktionseinheit 1,1 kg) verarbeitet wurde mit einem kg-CO2eq von circa 1,015 nur marginal über dem unverarbeiteten Produkt. Wird der Broccoli hingegen aus Südamerika als verarbeitetes Produkt importiert, steigt das kg-CO2eq auf circa 1,3. Im Gegensatz dazu sinkt das kg-CO2eq bei einem unverarbeiteten Produkt, welches frisch aus Südeuropa importiert wurde, sogar aufgrund der deutlich günstigeren Bedingungen in der dortigen Landwirtschaft auf circa 0,82. Und auch die hochverarbeitete Tiefkühlpizza (hier: Salami) liegt mit einem kg-CO2eq von 556 – 610 g in der Bilanzierung gegenüber der selbstgemachten Variante aus frischen Lebensmitteln in der heimischen Küche mit einem Wert von 569 – 580 g in einem überraschenden Gleichklang.

Allerdings sei in Bezug auf verarbeitete Lebensmittel noch der Hinweis anzubringen, dass diese ungeöffnet eine entscheidend längere Haltbarkeit aufweisen und die Verluste bei frischen Lebensmitteln z.B. durch Schimmelbildung oftmals höher sind.

Quellen:

Grünberg, J., Nieberg, H., Schmidt, T.G. (2010). Treibhausgasbilanzierung von Lebensmitteln (Carbon Footprints): Überblick und kritische Reflektion. Landbauforschung – vTi Agriculture and Forestry Research 2(60), 53-72. (verlinken auf https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/bitv/dn046465.pdf)

Fleisch vs. Pflanzlich

Die Werte beim Wasser- und beim CO2eq-Fußabdruck sind bei Obst (z.B. Orange: Wasserverbrauch 560 l/kg, CO2eq 0,3 kg/kg) und Gemüse (z.B. Kartoffel: Wasserverbrauch 287 l/kg, CO2eq 0,2 kg/kg) deutlich niedriger als bei Fleisch (z.B. Rindfleisch: Wasserverbrauch 15.415 l/kg, CO2eq 13,6 kg/kg). Bei Nüssen (z.B. Walnüsse: Wasserverbrauch 4.918 l/kg, CO2eq 0,9 kg/kg) sind die Werte beim Wasserfußabdruck zwar höher als bei Obst und Gemüse, aber noch unter Rindfleisch aber über dem bei Hähnchenfleisch (4.325 l/kg). Beim CO2eq Fußabdruck liegen Nüsse deutlich unter Fleischprodukten.

Die hohen Werte bei Fleischprodukten liegen u.a. an den Werten für Futtermittel, die mit dazugerechnet werden. Auch spielt der Methanausstoß, der bei Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen entsteht eine wichtige Rolle, da Methan eine 25-fach höhere Klimawirksamkeit als CO2 hat. Der Anteil des Methanausstoßes in der deutschen Landwirtschaft ist fast ausschließlich auf die Rinder- und Kuhmilchhaltung zurückzuführen. Dadurch weißt Rindfleisch bei den untersuchten Lebensmitteln den höchsten CO2eq Fußabdruck auf.  Aber auch Kuhmilch, Käse und Butter haben somit hohe Werte beim Wasser- und CO2eq Fußabdruck.

Da sich die Lebensmittel aber natürlich hinsichtlich ihrer Nährstoffe unterscheiden, greift ein Vergleich des Wasser- und CO2eq Fußabdruck zu kurz. Vitamin B12 z.B. kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor. Daher muss bei einer veganen Ernährung auf Nahrungsmittelergänzungspordukte zurückgegriffen werden. Die Menge an Fleisch, die in Deutschland pro Kopf-pro Jahr konsumiert wird, liegt allerdings deutlich über den empfohlenen Werten. 2019 lag der Wert des Pro-Kopf-Verzehrs von Fleisch in Deutschland wie in den Vorjahren bei rund 60 kg. Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt bei 300 g bis 600 g pro Woche je nach Kalorienbedarf für einen Erwachsenen, was 15 kg bis 30 kg pro Jahr entspricht. Weitere Hinweise für eine gesunde Ernährung finden Sie bei den 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (verlinken auf https://www.dge.de/index.php?id=52). Im Jahr 2020 ernährten sich rund 5% in Deutschland vegetarisch und rund 1% vegan.

Quellen: